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Milovic’s Lehrstellensuche – oder - eine Auster muss sich öffnen, damit man die Perle sehen kann - Blog - CreaLengo GmbH - Bildung & Coaching

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Milovic’s Lehrstellensuche – oder - eine Auster muss sich öffnen, damit man die Perle sehen kann

Herausgegeben von in Stellensuche ·
Tags: LehrstellensucheLehrabbruch
Echte Perlen findet man nicht so schnell. Sie verstecken sich in den Austern. Aussen sind sie schlammig und schmutzig, innen können sie Menschen erstaunen und begeistern. Eine solche Perle war Herr Milovic. Er ist grad 20 Jahre alt geworden und hat eine Lehre als Maurer abgebrochen. Dazu kam noch das „ic“ im Namen und sein Käppi, welches er konstant trug. Kaum einer hat ihm noch was zugetraut. Er sich selber auch nicht.

Als wir zusammen gesprochen haben, schien sich das Vorurteil zu bestätigen. Er war einsilbig und hat mir kaum in die Augen geschaut. Auf die Frage, wieso er seine Lehre abgebrochen hat, hat er nur mit den Schultern gezuckt.

Es hat etwas gedauert, denn er hat nie gelernt sich richtig auszudrücken. Vielleicht lag es daran, dass seine Muttersprache eine andere war oder auch daran, dass in seiner Familie andere Themen wichtiger waren.

Irgendwann brummelte er vor sich hin „ich denke, ich wäre gerne Automobilfachmann geworden“. „Sie denken?“ fragte ich, „Ich werde Sie unterstützen, aber nicht wenn Sie nur denken, sondern sich 100% für Ihre Träume einsetzen. Sonst lassen wir es besser bleiben. Es ist schon Mai und im August fangen die Ausbildungen an. Die meisten Stellen sind vergeben. ‚Denken‘ reicht jetzt nicht mehr?“ sagte ich wohl etwas schroffer als geplant.

Er schaute mir plötzlich tief in die Augen und sagte mit voller Stimme: „Ich will unbedingt Automobilfachmann werden und bin bereit alles dafür zu tun!“ Ich muss zugeben, dieser Ton, der Blick und seine Körperhaltung haben mich überzeugt. Also legten wir los.

Bevor man die Zukunft planen kann, muss man die Vergangenheit aufarbeiten. Nun erzählte er mir, dass alle in seine Familie Maurer sind. Er hätte gar keine Wahl gehabt, als auch diesen Beruf zu ergreifen. Schon bald hat er gemerkt, dass er das eigentlich gar nicht will. Er wollte mit Autos arbeiten. Schon mit seinem Grossvater hat er in seiner Freizeit an Oldtimern herumgebastelt.

Seine Schulzeugnisse waren ok, aber nicht der Hammer. Mathematik und Werken waren seine Stärken. Leider hat er nie ein Arbeitszeugnis von seinem alten Chef erhalten. Wir versuchten dies noch zu bekommen, aber der alte Maurer spielte auf Zeit.

Herr Milovic erstellte ein gutes und persönliches Bewerbungsschreiben. Dies passte er den verschiedenen Garagen an. Es zeige seine Stärken und den Grund, wieso er unbedingt Automobilfachmann werden will. Ich habe kaum jemals einen Menschen gesehen, der so viel Energie in gute Bewerbungen investiert hat. Er steckte seine Kopfhörer mit lauter Musik in die Ohren und lies sich danach nicht mehr ablenken.

Schon bald kamen die ersten Reaktionen. Da er noch nicht gelernt hatte, unangenehme Fragen zu beantworten, haben wir in der ersten Phase viel Zeit darauf investiert. Nun beantwortete er die Frage nach dem fehlenden Zeugnis mit dem Hinweis, dass er es noch nicht erhalten habe und dafür eine gute mündliche Referenz angeben kann. Die Frage wegen dem Lehrabbruch mit dem Druck der Familie. Er wurde immer besser in der Kommunikation und auch stolzer auf das, was er bis jetzt erreicht hat.

Eine Firma zeigte Interesse. Er mailte fleissig mit ihnen, zeigt mir aber vor dem Abschicken jedoch, was er geschrieben hatte. Auch hier wurde er immer besser. Das Vorstellungsgespräch ist schon geplant. Ich drücke ihm die Daumen.

Ich habe eine Perle in einer schmutzigen kleinen Auster gefunden. Ich hoffe, der Lehrmeister der Garage findet diese Perle auch noch.





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