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Die Krux mit den Arbeitszeugnissen – Mythen und Fragen - Blog - CreaLengo GmbH - Bildung & Coaching

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Die Krux mit den Arbeitszeugnissen – Mythen und Fragen

Herausgegeben von in Führung ·
Tags: ArbeitszeugnisArbeitsbestätigungZeugnissprache
Nicht jeder Chef hat ein Personalbüro im Rücken. Plötzlich muss er ein Arbeitszeugnis schreiben und weiss nicht genau wie das geht. Bei unglücklich formulierten Zeugnissen steckt selten ein böser Wille dahinter. Was muss man beachten? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Zeugniscodes sind verboten
Ja, das ist wahr. Jedoch muss hier zwischen den verbotenen Codes und der erlauben Zeugnissprache unterschieden werden. Ein Code könnte zum Beispiel ein wie zufällig wirkender Kugelschreiberhaken irgendwo auf dem Blatt sein. Das ist verboten. Viele Firmen schreiben sicherheitshalber unter das Zeugnis „Dieses Zeugnis ist nicht codiert“. So ist es für jedermann erkennbar.
Erlaubt ist die Zeugnissprache. Diese soll wohlwollend und ehrlich sein. Der Leser soll auf das Gesamtbild schauen. Einzelne Sätze alleine sind nicht aussagekräftig.

Es darf nur Positives im Zeugnis stehen, auch wenn der Arbeitnehmer nicht gut gearbeitet hat.
Nein, die Aussagen im Zeugnis müssen „wohlwollend“ und ehrlich sein, nicht positiv! Daher hat sich auch eine Zeugnissprache entwickelt. Hier zwei Beispiele für Fachwissen:
Positiv: „Mit seinem umfangreichen und äußerst fundierten Fachwissen erzielte er stets deutlich überdurchschnittliche Erfolge.“
Eher negativ: „Er verfügt über ein den Anforderungen entsprechendes Fachwissen.“ (es war noch gerade so ok)

Ab wann muss ein Arbeitszeugnis erstellt werden?
Sobald der Arbeitgeber die Leistung des Arbeitsnehmers beurteilen kann, muss er auf Wunsch des Mitarbeiters ein Zeugnis erstellen. Das könnte bereits nach zwei bis drei Wochen der Fall sein, wenn beide zusammen am gleichen Ort arbeiten.

Wie muss ein Zeugnis aussehen?
Das Zeugnis muss auf einen A4 Papier in Maschinenschrift geschrieben sein. Es soll einen ordentlichen Eindruck machen und darf keine Schreibfehler enthalten. Es soll nicht gefaltet werden. Am besten man übergibt es in deinem Klarsichtmäppchen.

Wie ist ein Zeugnis aufgebaut?
  1. Personalien  => Name, Vorname, Titel, Heimatort oder Geburtsort bei Ausländern, Geburtsdatum
  2. Beginn und Ende der Arbeitsverhältnisses
  3. Funktion => Stellung, Funktion, genauer Aufgabebereich, Tätigkeiten, Berufsbezeichnung, Zeichnungsberechtigung, Sonderaufgaben, Beförderungen (diese Informationen findet man oft auch im Stellenbeschrieb)
  4. Fachwissen
  5. Qualifikation => Weiterentwicklungen, Leistung, Belastbarkeit, Loyalität,  Vertrauenswürdigkeit, Führungsqualitäten
  6. Verhalten => Verhalten gegenüber Vorgesetzen, Mitarbeiter, Lieferanten, Unterstellten und Kunden
  7. Austrittsgrund ist nicht zwingend notwendig. Er vervollständigt aber das Zeugnis.
  1. Schlusssatz, ev. einen Dank und gute Wünsche
  2. Unterschrift eines Vorgesetzten oder einer Person die funktionell übergeordnet ist.
Das Fehlen von wichtigen Punkten kann auch negativ ausgelegt werden.

Was muss man sonst noch so beachten?
  • Alle Aussagen müssen wahr sein
  • Alle Aussagen müssen im Bezug zum Arbeitsplatz sein.
  • Einmalige negative Ereignisse dürfen nicht erwähnt werden
  • Wiederholte Störungen in der Zusammenarbeit und im Arbeitsablauf, für die der Arbeitnehmer nachweislich alleine verantwortlich war, dürfen nicht verschwiegen werden
  • Krankheiten können nur erwähnt werden, wenn sie einen erheblichen Einfluss auf die Leistung oder das Verhalten hatten oder den Grund zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses darstellten. Ärztliche Diagnosen gehören nicht ins Arbeitszeugnis
  • Risiken, die der neue Arbeitgeber kennen muss, sind zu erwähnen (z.B. Alkoholprobleme eines Berufschauffeurs).

Was kann ich tun, wenn mein Angestellter gestohlen hat? Schreibe ich das auch in das Zeugnis?
Wenn der Arbeitnehmer nachweislich gestohlen hat, kann zum Beispiel folgender Satz im Zeugnis vermerkt werden: „Das Arbeitsverhältnis musste seitens der Firma wegen Veruntreuung des Arbeitsnehmers gekündigt werden.“ So können Sie sich absichern, falls der Mitarbeiter an der neuen Stelle wieder stiehlt.

Wer entscheidet, ob es ein Zeugnis oder eine Arbeitsbestätigung gibt?
Nach dem Obligationenrecht Art. 330a verpflichtet den Arbeitgeber, dem Arbeitnehmer jederzeit auf Verlangen ein Zeugnis auszustellen. Das kann auch schon während der Anstellung der Fall sein (Zwischenzeugnis) oder am Ende der Anstellung (Schlusszeugnis).

Bis wann soll das Zeugnis übergeben werden?
Der beste Zeitpunkt für die Übergabe ist der letzte Arbeitstag. Ein Zwischenzeugnis so bald wie möglich.

Wie lange kann ein Zeugnis noch geändert oder nachbestellt werden?
Nach dem OR Art 127 verjährt der Anspruch auf ein Zeugnis oder eine Änderung des Zeugnisses erst nach 10 Jahren. Ausnahme: Wenn der Arbeitgeber ohne Verschulden keine Unterlagen mehr zum Mitarbeiter hat und Nachforschungen unzumutbar sind. Die Aufbewahrungspflicht von Qualifikationsdokumenten liegt aber bei 10 Jahren.

Tipps für den Arbeitnehmer
Ich empfehle Arbeitnehmer bei Erhalt eines Zeugnisses, dieses von einer Fachperson durchlesen zu lassen. Hier helfen die Gewerkschaft, im Falle der Arbeitslosigkeit das RAV oder auch Personalverantwortliche aus dem HR Bereich.

Tipps für den Arbeitgeber
Falls Sie sich mit dem Zeugnisschreiben nicht auskennen, lassen Sie sie von Spezialisten schreiben oder besuchen Sie selber einen Kurs. Wenn man einmal weiss, wie es geht, ist es gar nicht so schwer.





2 Kommentare
2016-05-20 11:19:02
Eine ausdrückliche gesetzliche Frist, die Berichtigung des Zeugnisses geltend zu machen, wenn es nicht den formellen oder materiellen Anforderungen entspricht, gibt es in Deutschland nicht. Der Zeugnisberichtigungsanspruch unterliegt aber den tariflichen Ausschlussfristen. Das sind Fristen, nach deren Ablauf Ansprüche nicht mehr geltend gemacht werden können. Außerdem kann der Berichtigungsanspruch auch verwirken. Dies ist nach der Rechtsprechung bereits nach wenigen Monaten gegeben. Bei einem qualifizierten Zeugnis dann, wenn der Arbeitgeber aufgrund des zeitlichen Abstandes zur Beendigung des Arbeitverhältnisses keine Erinnerung und Grundlage mehr für ein qualifiziertes Zeugnis hat oder mit einer Berichtigungsforderung nicht mehr rechnen musste. Für das einfache Zeugnis kommt es insoweit darauf an, ob die erforderlichen Unterlagen im Betrieb noch zur Verfügung stehen.

Da es bei der Verwirkung des Berichtigungsanspruchs auf jeden Einzelfall ankommt, wird die Geltendmachung innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Zeugnisses empfohlen. Die Verjährungsfrist von drei Jahren spielt wegen der in der Regel viel früher eintretenden Verwirkung meist keine Rolle.
Corina Zingg
2016-05-23 13:34:58
Vielen Dank Frau Weber, für die Ergänzungen für Deutschland.

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